Schlittenprothese: partielle Knieprothese (UKA)

Die unikondyläre Knieprothese (UKA) ersetzt nur den geschädigten Anteil des Kniegelenks — auch Schlittenprothese genannt. Bei geeigneter Indikation kann eine UKA gewebeschonender sein als eine totale Prothese. Der Verlauf hängt jedoch von Befund, Implantatposition, Aktivität, Wundheilung und Rehabilitation ab.

Termin vereinbarenEifelklinik St. Brigida, Simmerath

Eine Schlittenprothese ersetzt einen erkrankten Gelenkanteil, meist die Innenseite des Knies. Die übrigen Gelenkanteile und die Kreuzbänder bleiben erhalten. Sie kommt bei passend begrenzter Arthrose und einem funktionell stabilen Knie infrage, wenn eine Behandlung ohne Operation nicht ausreichend hilft. Eine raschere frühe Erholung ist möglich; eine dauerhafte Schmerzfreiheit oder eine bestimmte Haltbarkeit lässt sich nicht versprechen.

Was ist eine unikondyläre Knieprothese?

Bei einer UKA (unicompartmental knee arthroplasty) wird nur das geschädigte Kniegelenk-Kompartiment ersetzt — meist das mediale (innere) Kompartiment. Das laterale Kompartiment, die Kniescheibe und die Kreuzbänder bleiben erhalten.

Die Prothese besteht üblicherweise aus Metallkomponenten am Ober- und Unterschenkel sowie einer Gleitfläche aus Polyethylen. Welche Bauform und Verankerung passen, wird anhand des Befunds geplant. Der Erhalt gesunder Gelenkanteile kann zu einem vertrauteren Bewegungsgefühl beitragen.

Schematische Darstellung: Kniegelenk von vorne mit medialer Schlittenprothese – nur der innere Gelenkanteil ersetzt, der äußere Anteil mit natürlichem Knorpel erhalten
Schematische Darstellung – Mediale Schlittenprothese (hervorgehoben): Nur der innere Gelenkanteil wird ersetzt – der äußere Anteil mit natürlichem Knorpel und Meniskus sowie die Kreuzbänder bleiben erhalten.

UKA vs. Totale Knieprothese

MerkmalUKATKA
EingriffHäufig kleinerer ZugangStandard-Zugang
Knochenresektionmeist weniger knöcherne Resektionumfassendere Gelenkflächenresektion
KreuzbänderBleiben erhaltenabhängig vom Implantatdesign; bei vielen TKA-Verfahren werden Kreuzbandfunktionen ersetzt
Bewegungsgefühlkann vertrauter wirken, wenn Bänder und gesunde Gelenkanteile erhalten bleibenKann sich anders als das natürliche Knie anfühlen; individuell unterschiedlich
Rehabilitationkann bei geeigneter Indikation schneller verlaufenmeist längerer Aufbau, abhängig von Befund und Verlauf
HaltbarkeitViele Implantate zeigen gute LangzeitergebnisseViele Implantate zeigen gute Langzeitergebnisse
Revisionspätere Umwandlung in eine TKA möglich; Aufwand abhängig von Knochenqualität, Implantatposition und BandstatusRevision kann komplexer sein, abhängig von Implantat, Knochenqualität und Weichteilen

Haltbarkeit und Revisionsrisiko hängen bei beiden Verfahren von Indikation, Implantatposition, Aktivitätsniveau, Gewicht und Fortschreiten der Arthrose ab.

Für wen ist eine UKA geeignet?

Was für eine UKA spricht

  • Isolierte mediale oder — seltener — laterale Kompartimentarthrose
  • Funktionell stabile Bandverhältnisse
  • Beschwerden und Knorpelbefund der übrigen Gelenkanteile passen zum Verfahren
  • Keine ausgeprägte Deformität oder Instabilität, die eine Korrektur erfordert
  • Anhaltende Alltagseinschränkung trotz angemessener konservativer Behandlung

Die Eignung für eine UKA hängt von Arthroseausdehnung, Bandstabilität, Achse, Korrekturfähigkeit, patellofemoralem Gelenk, Aktivitätsniveau und Patientenziel ab.

Was gegen eine isolierte UKA spricht

  • Zweikompartiment-Arthrose
  • Klinisch relevante Bandinstabilität
  • Relevante, nicht mitbehandelte Schäden in weiteren Gelenkanteilen
  • Rheumatoide Arthritis
  • Schwere Deformität oder Instabilität

Welche Nachteile hat eine Schlittenprothese?

Eine Teilprothese behandelt nur einen Gelenkanteil. Schreitet die Arthrose in den übrigen Anteilen fort, kann später eine Umwandlung in eine totale Knieprothese nötig werden. Auch Lockerung, anhaltende Schmerzen oder Instabilität können eine weitere Operation erfordern. Hinzu kommen allgemeine Operationsrisiken wie Infektion, Thrombose, Wundheilungsstörung und Verletzung von Nerven oder Gefäßen.

Der kleinere Eingriff ist deshalb nur dann ein Vorteil, wenn er zum gesamten Kniebefund passt. Die totale Knieprothese und die Umstellungsosteotomie werden als Alternativen besprochen.

Wie läuft die Schlittenprothesen-OP ab?

Vor dem Eingriff werden Untersuchung, belastete Röntgenbilder, Medikamente und Narkoseplanung besprochen. Während der Operation wird geprüft, ob der Schaden tatsächlich auf den vorgesehenen Gelenkanteil begrenzt ist. Dort werden die erkrankten Gelenkflächen ersetzt und Beweglichkeit sowie Stabilität kontrolliert. Falls ein Wechsel auf eine totale Prothese erforderlich werden könnte, gehört diese Möglichkeit in die vorherige Aufklärung. Anschließend beginnt die angeleitete Mobilisation.

Warum Banderhalt wichtig ist

Die UKA erhält das vordere und hintere Kreuzband. Der Banderhalt kann bei geeigneter Indikation beitragen zu:

  • Natürliche Roll-Gleit-Bewegung des Knies
  • Propriozeption (Gelenkgefühl und Positionssinn)
  • Stabilität bei Rotationen und Richtungswechseln
  • Gleichmäßigere Belastungsverteilung
  • Erhalt eigener Bandfunktionen; das Ergebnis bleibt individuell

Mediale oder laterale UKA

Die mediale UKA behandelt eine auf den inneren Gelenkanteil begrenzte Arthrose. Eine laterale UKA kommt bei isolierter Arthrose des äußeren Kompartiments infrage und stellt wegen der anderen Band- und Bewegungsmechanik eigene Anforderungen an Planung und Technik.

Entscheidend sind belastete Röntgenaufnahmen, Achse und Korrekturfähigkeit, Bandstabilität, Beweglichkeit, Beschwerden und der Zustand der übrigen Gelenkanteile. Das Alter allein entscheidet weder für noch gegen eine Teilprothese.

Robotik und Navigation

Robotik oder Navigation kann die präoperative Planung und die kontrollierte Positionierung der Komponenten unterstützen. Sie ersetzt weder die richtige Indikation noch die operative Erfahrung. Ein allgemeiner Vorteil bei Funktion oder Komplikationen gegenüber einer präzise ausgeführten konventionellen UKA ist anhand kurzfristiger Daten nicht für jeden Patienten belegt. Ob die Technik im konkreten Fall verfügbar und sinnvoll ist, wird im Beratungsgespräch geklärt.

Rehabilitation nach UKA

Sicher mobil werden

Aufstehen, Gehen mit Unterarmgehstützen und Treppen werden angeleitet. Das Operationsteam legt die erlaubte Belastung fest.

Beweglichkeit aufbauen

Streckung, Beugung und Muskelaktivierung werden schrittweise verbessert. Schwellung und Wundheilung bestimmen das Tempo mit.

Gehhilfen reduzieren

Erst bei erlaubter Belastung, ausreichender Beinkontrolle und sicherem Gang ohne deutliches Hinken; nicht allein nach einer festen Wochenzahl.

Alltag und Sport

Kraft und Ausdauer werden stufenweise aufgebaut. Sportfreigabe, Arbeitsbeginn und längere Gehstrecken richten sich nach Funktion, Beschwerden und Tätigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange brauche ich Krücken nach einer Schlittenprothese?

Gehhilfen unterstützen die sichere Mobilisation in der frühen Erholung. Wie lange sie nötig sind, hängt von erlaubter Belastung, Schmerzen, Muskelkontrolle und Gangbild ab. Lassen Sie das Weglassen mit dem Behandlungsteam abstimmen; ein hinkender oder unsicherer Gang ist kein sinnvolles Trainingsziel.

Wie lange bin ich nach einer Schlittenprothese krankgeschrieben?

Das hängt von Ihrer Tätigkeit und dem Heilungsverlauf ab. Langes Stehen, Tragen, Knien und unsichere Wege belasten anders als eine anpassbare Bürotätigkeit. Besprechen Sie konkrete Arbeitsanforderungen und den Arbeitsweg; eine pauschale Wochenzahl wäre keine verlässliche Zusage.

Kann man mit einer Schlittenprothese knien?

Knien kann nach abgeschlossener Wundheilung möglich sein, bleibt aber bei manchen Menschen unangenehm. Besprechen Sie es in der Nachkontrolle und üben Sie erst nach Freigabe auf weicher Unterlage. Schmerzen, deutliche Schwellung oder eine noch nicht verheilte Wunde sprechen gegen einen solchen Versuch.

Welche Nachteile hat eine Schlittenprothese?

Die übrigen Gelenkanteile können später ebenfalls Arthrose entwickeln. Dann oder bei Problemen wie Lockerung kann eine weitere Operation erforderlich werden. Infektion, Thrombose und anhaltende Beschwerden sind auch bei einem kleineren Eingriff möglich. Entscheidend ist die passende Indikation.

Wie lange hält eine partielle Knieprothese?

Es gibt kein festes Ablaufdatum. Haltbarkeit und Revisionsrisiko hängen unter anderem von Implantatposition, Bandstabilität, Aktivität und Fortschreiten der Arthrose ab. Eine spätere Umwandlung in eine totale Prothese ist möglich, kann aber je nach Knochenverlust und Befund aufwendig sein.

Aus welchem Material besteht eine Schlittenprothese?

Üblich sind Metallkomponenten und eine Gleitfläche aus Polyethylen, einem belastbaren Kunststoff. Bauform, Metalllegierung und Verankerung unterscheiden sich zwischen Implantaten. Bringen Sie bei einer späteren Abklärung den Implantatpass mit und sprechen Sie bekannte Materialallergien vor der Operation an.

Ist die Schlittenprothese besser als eine totale Knieprothese?

Sie ist eine Option bei entsprechend begrenzter Arthrose und geeigneten Bandverhältnissen. Sind weitere Gelenkanteile relevant geschädigt, kann eine totale Knieprothese besser zum Befund passen. Das Alter allein entscheidet nicht; Beschwerden, Untersuchung und Bildgebung müssen zusammenpassen.

Welche Alternativen gibt es zur Schlittenprothese?

Je nach Befund kommen Bewegungstherapie, angepasste Schmerzbehandlung und andere konservative Maßnahmen infrage. Bei geeigneter Achsfehlstellung kann eine Osteotomie das eigene Gelenk erhalten. Bei weiter ausgedehnter Arthrose wird eine totale Knieprothese geprüft.

RV

Medizinisch verantwortlich: Robin Van den Broecke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2026

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