Schmerzen nach Knieprothese
Anhaltende Schmerzen nach einer Knieprothese sind belastend und dürfen nicht einfach hingenommen werden. Eine gezielte Abklärung der Ursache ist die Basis für eine zielführende Lösung.
Schmerzen nach einer Knieprothese können verschiedene Ursachen haben: von harmlosen Heilungsschmerzen über Implantatlockerung, Instabilität, Fehlstellung, Patellofemoralprobleme bis hin zur Protheseinfektion. Eine systematische Abklärung durch klinische Untersuchung, Laborwerte, Röntgen und gegebenenfalls MRT oder Gelenkpunktion hilft, die Ursache zu identifizieren und eine gezielte Therapie einzuleiten.
Mögliche Ursachen für Schmerzen
Infektion (Protheseninfektion)
Eine der ernstesten Komplikationen. Anzeichen: Rötung, Schwellung, Wärme, Fieber, schlechter Allgemeinzustand, oft auch belastungsabhängige Schmerzen. Dies ist ein Notfall, der eine rasche Abklärung und gegebenenfalls Gelenkpunktion mit Bakterienkultur erfordert.
Implantatlockerung
Die Verbindung zwischen Knochen und Implantat lockert sich – oft schleichend mit zunehmenden Schmerzen beim Belasten, manchmal auch Ruheschmerzen. Im Röntgen zeigt sich eine zunehmende dunkle Linie (Radioluzenz) am Implantat-Knochen-Interface.
Instabilität
Das Knie fühlt sich unsicher an, gibt nach oder knickt weg. Ursachen können Ligamentversagen, zu weiches Implantat oder operative Fehlstellung sein. Eine klinische Stabilitätsprüfung und Röntgen in Belastung sind diagnostisch hilfreich.
Fehlstellung / Malalignment
Eine nicht optimale Ausrichtung der Prothesenkomponenten kann zu ungleichmäßiger Belastung, Patellofemoralschmerzen und vorzeitiger Abnutzung führen. Langbein-Röntgen und CT mit Referenzierung helfen bei der Beurteilung.
Patellofemorale Schmerzen
Schmerzen vor oder hinter der Kniescheibe, verstärkt beim Treppensteigen, Sitzen mit gebeugtem Knie oder Aufstehen. Häufig bei zu wenig Resektion der Patella oder inkongruenter Gleitbahn.
Stiffness / Bewegungseinschränkung
Ein eingeschränktes Beugen oder Strecken mit Druckschmerz kann auf Arthrofibrose, übermäßige Narbenbildung oder mechanische Hindernisse (z. B. osteophytäre Überwuchs) hinweisen.
Nervenschmerzen / Neurome
Schmerzen mit einschießendem Charakter, Taubheitsgefühl oder Hypersensitivität können durch Nervenirritation oder Neurombildung verursacht sein. Oft lokalisiert am Operationsnarbenverlauf.
Referred Pain / Hüft- oder Rückenbezug
Nicht alle Schmerzen um das Knie stammen auch aus dem Knie. Hüftarthrose, Lumbalradikulopathie oder iliotibiale Bandsyndrome können sich als Knieschmerzen manifestieren.
Wann ist eine sofortige Abklärung nötig?
- Fieber über 38°C mit Gelenkschmerzen oder Schwellung
- Starke Rötung und Wärme um das Knie
- Plötzlich einsetzende, starke Schmerzen
- Eitriger Gelenkerguss oder Wundheilungsstörungen
- Allgemeines Krankheitsgefühl mit Gelenkbeschwerden
Bei diesen Symptomen suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe – notfalls die Notaufnahme.
Diagnostischer Weg
1. Anamnese und klinische Untersuchung
Schmerzcharakter, Zeitverlauf, Begleitsymptome, Beweglichkeit, Stabilität, Schwellung, Wundheilung.
2. Laborwerte
CRP, BSG, Leukozyten zur Infektabklärung. Bei Verdacht auf Infektion: Blutkultur, Gelenkpunktion mit Bakterienkultur.
3. Röntgen (Stehen, 2 Ebenen)
Beurteilung von Implantatposition, Lockerungszeichen, Frakturen, Achsstellung.
4. MRT oder CT
Bei unklarer Ursache: Darstellung von Weichteilen, knöchernen Strukturen, Implantat-Interface.
5. Gelenkpunktion
Bei Gelenkerguss: Zytologie, Bakterienkultur, Differentialblutbild zum Ausschluss einer Infektion.
6. Zweitmeinung
Bei komplexer oder unklarer Situation: unabhängige Einschätzung durch einen erfahrenen Knieendoprothetiker.
Therapieoptionen
Konservativ
- Schmerzmedikation
- Physiotherapie
- Hilfsmittel (Stock, Orthese)
- Infiltrationen (bei nicht-infektiösen Schmerzen)
Operativ
- Arthroskopisches Débridement
- sekundärer Patellaersatz
- Komponentenaustausch (einzeln oder beidseitig)
- Revisionsprothese
- Gelenkexplantation bei Infektion (interimär)
Infektionsspezifisch
- Antibiotische Langzeittherapie
- Gelenkspülung
- Einzeitige oder zweizeitige Wechseloperation
- Injektion von Antibiotikazement
Zweitmeinung bei Schmerzen nach Knieprothese
Wenn die Ursache für anhaltende Schmerzen nicht klar ist oder Sie mit der bisherigen Behandlung nicht zufrieden sind, kann eine Zweitmeinung Klarheit schaffen. Bringen Sie bitte folgende Unterlagen mit:
- Operationsberichte (erste Operation und alle Nachoperationen)
- Alle verfügbaren Röntgen- und MRT-Bilder
- Laborwerte (insbesondere Entzündungsparameter)
- Aktuelle Medikamentenliste
- Dokumentation der Schmerzgeschichte (wann, wie stark, was hilft)
Häufig gestellte Fragen
Ist es normal, nach einer Knieprothese noch Schmerzen zu haben?
In den ersten Wochen und Monaten sind Schmerzen während der Heilungsphase normal. Nach 3–6 Monaten sollten diese jedoch deutlich zurückgegangen sein. Anhaltende oder zunehmende Schmerzen nach diesem Zeitpunkt sind nicht normal und sollten abgeklärt werden.
Kann eine Knieprothese wieder entfernt werden?
Ja, bei einer Infektion oder schwerwiegenden Komplikation kann eine Prothese explantiert werden. In vielen Fällen erfolgt ein interimärer Spacer-Einbau mit Antibiotikazement, später dann eine Reimplantation.
Wie häufig ist eine Protheseninfektion?
Die Infektionsrate liegt bei etwa 1–2 % nach primärer Knieprothese. Sie ist ernst, aber behandelbar. Eine rasche Diagnose und Therapie sind entscheidend für das Langzeitergebnis.
Kann eine Fehlstellung der Prothese korrigiert werden?
Ja, durch eine Revisionsoperation mit Komponentenaustausch und korrekter Ausrichtung. Dies erfordert sorgfältige Planung, oft mit langbeinstehenden Röntgenaufnahmen und computergestützter Navigation.
Was kostet eine Zweitmeinung?
Eine Zweitmeinung wird von gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen, wenn sie ärztlich indiziert ist. Bei Privatpatienten erfolgt die Abrechnung nach GOÄ.
Wo kann ich mich in Simmerath beraten lassen?
In der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath biete ich Zweitmeinungen und Abklärungen bei Schmerzen nach Knieprothese an – unabhängig davon, wo Ihre Operation durchgeführt wurde.
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Medizinisch erstellt und geprüft von Robin Van den Broecke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2026
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