Umstellungsosteotomie am Knie

O-Bein oder X-Bein führen zu einseitiger Überlastung des Kniegelenks. Eine Osteotomie kann das Gelenk erhalten, wenn eine Prothese noch zu früh ist.

Termin vereinbarenEifelklinik St. Brigida, Simmerath

Eine Umstellungsosteotomie am Knie korrigiert O-Bein oder X-Bein durch gezielte Knochenumstellung, um die Belastung vom geschädigten Gelenkanteil zu verlagern. Bei korrekter Patientenauswahl kann die Notwendigkeit einer Prothese oft über Jahre hinauszögern. Langzeitergebnisse hängen stark von Patientenauswahl, Korrekturgenauigkeit, Knorpelstatus und Rehabilitation ab.

Was ist eine Umstellungsosteotomie?

Bei einer Osteotomie wird das Schienbein (HTO) oder der Oberschenkelknochen (DFO) gezielt durchtrennt und neu ausgerichtet. Dadurch wird die Belastung vom geschädigten Gelenkanteil auf die gesunde Seite verlagert. Ziel ist es, die Lebensdauer des eigenen Gelenks zu verlängern.

HTO — Hoch-Tibia-Osteotomie

Bei O-Bein (Varus) wird am oberen Schienbein ein Keil entnommen oder ein Keil eingesetzt, um die Achse in Richtung Valgus zu korrigieren.

  • Medialer Gelenkverschleiß (Innenknorpel)
  • Öffnungs- oder Schließkeilosteotomie
  • Stabile Fixierung mit Platte und Schrauben

DFO — Distale Femur-Osteotomie

Bei X-Bein (Valgus) wird am unteren Oberschenkelknochen korrigiert, um die Belastung auf den lateralen Gelenkanteil zu reduzieren.

  • Lateraler Gelenkverschleiß (Außenknorpel)
  • Schließkeilosteotomie (medialer Zugang)
  • Seltenere Indikation als HTO

Wann ist Osteotomie besser als Prothese?

Ideal für Osteotomie

  • Aktive Patienten mit guter Knochenqualität und einseitigem Gelenkverschleiß
  • Aktive Patienten (Sport, körperliche Arbeit)
  • Arthrose nur in einem Kompartiment
  • Korrektur in einem moderaten Bereich (extreme Korrekturen sind mit erhöhtem Risiko verbunden)
  • Guter Knorpelstatus im Zielkompartiment
  • Stabile Kreuz- und Seitenbänder
  • Kein schweres Patellofemorales Leiden

Prothese vorziehen

  • Ältere Patienten oder Patienten mit fortgeschrittener Mehrkompartment-Arthrose
  • Dreikompartiment-Arthrose
  • Schwere Patellofemorale Arthrose
  • Instabilität der Kreuz- oder Seitenbänder
  • Sehr große Korrekturen (das Risiko von Komplikationen und eingeschränkter Erfolgsrate steigt)
  • Inflammatorische Arthritis

Osteotomie, UKA oder totale Knieprothese — wie wird entschieden?

Die Wahl zwischen gelenkerhaltender Osteotomie, partieller Knieprothese (UKA) und totaler Knieprothese (TKA) hängt von mehreren Faktoren ab, die im persönlichen Gespräch und anhand bildgebender Verfahren abgewogen werden.

Osteotomie

Wann: Junge, aktive Patienten mit Achsfehlstellung und einseitigem Verschleiß

Ziel: Gelenk erhalten, Prothese hinauszögern

UKA

Wann: Patienten über 50 mit einseitiger Arthrose, intakten Kreuzbändern

Ziel: Nur geschädigtes Kompartiment ersetzen, natürliche Kinematik erhalten

TKA

Wann: Fortgeschrittene Arthrose in mehreren Kompartimenten, ältere Patienten

Ziel: Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung

Die Entscheidung erfordert eine Langzeitbeinaufnahme im Stehen, MRT-Diagnostik und eine sorgfältige klinische Untersuchung. Bei Unsicherheit biete ich eine unabhängige Zweitmeinung an.

Diagnostik

Langzeitbeinaufnahme

Stehende Röntgenaufnahme des gesamten Beins zur exakten Achsmessung (Hüft-Knie-Sprunggelenk-Winkel (HKA-Winkel)).

MRT

Darstellung des Knorpelstatus, Menisken, Bänder und subchondraler Knochen.

Klinische Untersuchung

Stabilitätstests, Bewegungsausmaß, Schmerzlokalisation, Muskelstatus.

Rehabilitation nach Osteotomie

0–6 Wochen

Teilbelastung (15–30 kg), Orthese, passives Beugen, Muskelaktivierung. Die Belastung und Übungsintensität werden individuell an den Heilungsverlauf angepasst.

6–12 Wochen

Progressive Belastung, Vollbelastung bei Knochenheilung, Fahrrad, Kraftaufbau

3–6 Monate

Lauftraining, leichtes Joggen, Sport ohne Kontakt

6–12 Monate

Die Rückkehr zu Kontakt- und Richtungswechselsport erfolgt nach radiologischer Knochenheilung, Kraft, Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und sportartspezifischer Belastbarkeit

Hinweis: Die Knochenheilung dauert 8–12 Wochen. Eine vorzeitige Vollbelastung kann zur Verschiebung oder Pseudarthrose führen.

Risiken und realistische Erwartungen

Mögliche Komplikationen

  • Verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose (Risiko hängt von Knochenqualität, Raucherstatus, Korrekturgrad und Rehabilitation ab)
  • Nervenverletzung (bei HTO liegt der N. peronaeus im äußeren Bereich; das Risiko hängt von Sägeschnittwinkel, Weichteilschutz und individueller Anatomie ab)
  • Infektion (Risiko wie bei anderen Knieoperationen, abhängig von Wundheilung und Komorbiditäten)
  • Unter- oder Überkorrektur
  • Progression der Arthrose im langfristigen Verlauf

Erfolgsraten

Bei korrekter Patientenselektion und präziser Operation kann die Notwendigkeit einer Prothese oft über Jahre hinauszögern. Langzeitergebnisse hängen stark von Patientenauswahl, Korrekturgenauigkeit, Knorpelstatus und Rehabilitation ab. Eine Osteotomie ist ein gelenkerhaltendes Verfahren, kann das Fortschreiten der Arthrose aber nicht in jedem Fall dauerhaft verhindern.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange hält eine Osteotomie am Knie?

Bei korrekter Patientenauswahl und präziser Operation kann die Notwendigkeit einer Prothese oft über Jahre hinauszögern. Langzeitergebnisse hängen stark von Patientenauswahl, Korrekturgenauigkeit, Knorpelstatus und Rehabilitation ab. Eine Osteotomie ist ein gelenkerhaltendes Verfahren, kann das Fortschreiten der Arthrose aber nicht in jedem Fall dauerhaft verhindern.

Wann ist eine Osteotomie sinnvoller als eine Prothese?

Bei aktiven Patienten mit einseitigem Gelenkverschleiß, erhaltener Gelenkbeweglichkeit und ausreichender Knochenqualität. Wenn die Arthrose nur ein Kompartiment betrifft und die Kreuzbänder stabil sind, kann eine Osteotomie das eigene Gelenk erhalten.

Was ist der Unterschied zwischen HTO und DFO?

HTO (Hoch-Tibia-Osteotomie) korrigiert O-Bein (Varus) am oberen Schienbein. DFO (Distale Femur-Osteotomie) korrigiert X-Bein (Valgus) am unteren Oberschenkelknochen. HTO ist deutlich häufiger, da mediale Arthrose öfter vorkommt.

Wie lange dauert die Rehabilitation nach Osteotomie?

Die Knochenheilung dauert 8–12 Wochen. In dieser Zeit ist nur Teilbelastung erlaubt. Nach 3–6 Monaten ist meist Lauftraining möglich. Die Rückkehr zu Kontakt- und Richtungswechselsport erfolgt nach radiologischer Knochenheilung, Kraft, Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und sportartspezifischer Belastbarkeit.

Welche Risiken hat eine Osteotomie?

Die wichtigsten Risiken sind verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose, Nervenverletzungen, Infektion (Risiko wie bei anderen Knieoperationen, abhängig von Wundheilung und Komorbiditäten) sowie Unter- oder Überkorrektur. Eine vorzeitige Vollbelastung kann die Heilung gefährden.

Kann ich nach einer Osteotomie wieder Sport treiben?

Ja, nach vollständiger Knochenheilung sind moderate Sportarten wie Radfahren, Schwimmen und Laufen möglich. Die Rückkehr zu Kontakt- und Richtungswechselsport erfolgt nach radiologischer Knochenheilung, Kraft, Beweglichkeit, Schmerzfreiheit und sportartspezifischer Belastbarkeit.

Was passiert, wenn die Osteotomie nicht mehr hilft?

Wenn die Arthrose im Laufe der Jahre fortschreitet, kann später eine totale oder partielle Knieprothese implantiert werden. Die vorherige Osteotomie macht eine spätere Prothese in der Regel nicht unmöglich, kann aber die Operationstechnik leicht erschweren.

Wie lange dauert der operative Eingriff?

Die Operation dauert in der Regel 60–90 Minuten. Sie wird in Allgemeinnarkose oder Spinalanästhesie durchgeführt. Der Krankenhausaufenthalt beträgt meist 2–3 Tage.

RV

Medizinisch erstellt und geprüft von Robin Van den Broecke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Zuletzt aktualisiert: 7. Juni 2026

Kurz zusammengefasst

Termin vereinbaren: +49 2473 89-6666 oder online buchen

Adresse:Eifelklinik St. Brigida GmbH & Co. KG, Zentrum für Orthopädische Chirurgie, Kammerbruchstraße 8, 52152 Simmerath

Parken: Patientenparkplätze direkt vor der Klinik verfügbar.

Welche Unterlagen sollten Sie mitbringen?

Krankenversicherungskarte
Überweisung (bei gesetzlicher Versicherung)
Aktuelle Röntgen- / MRT-Bilder
Vorherige Arztbriefe / Operationsberichte
Aktuelle Medikamentenliste
Vorhandene Befunde / Laborwerte

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Telefon: +49 2473 89-6666 | E-Mail: ZOCSimmerath@artemed.de

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Hinweis zu medizinischen Informationen

Die Inhalte dieser Seite dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen kein persönliches Beratungsgespräch, keine Untersuchung und keine Diagnose durch einen Facharzt. Bei akuten Beschwerden oder einem Verdacht auf eine Erkrankung wenden Sie sich bitte direkt an Ihren Arzt oder vereinbaren Sie einen Termin in der Sprechstunde. In medizinischen Notfällen wählen Sie den Notruf 112.