Kreuzbandriss bei Kindern und Jugendlichen

Warum ein Kreuzbandriss bei offenen Wachstumsfugen anders beurteilt wird als beim Erwachsenen — und wann eine wachstumsfugenschonende Operation infrage kommt.

Termin vereinbarenEifelklinik St. Brigida, Simmerath

Ein Kreuzbandriss bei Kindern und Jugendlichen unterscheidet sich von der Verletzung beim Erwachsenen, weil die Wachstumsfugen noch offen sein können. Bei relevanter Instabilität, sportlichem Anspruch oder Meniskusverletzungen kann eine Kreuzbandrekonstruktion sinnvoll sein. Bei ausgewählten Patienten kommt eine wachstumsfugenschonende all-inside Technik infrage.

Warum wird ein Kreuzbandriss bei Kindern anders behandelt?

Bei Erwachsenen sind die Wachstumsfugen geschlossen. Bei Kindern und jüngeren Jugendlichen können sie noch offen sein. Das ist für die Operationsplanung entscheidend, weil Bohrkanäle oder Fixationsmaterial die Wachstumsfuge theoretisch schädigen können.

Deshalb wird vor einer Operation nicht nur das MRT betrachtet. Wichtig sind auch:

  • Alter und körperliche Entwicklung
  • Skelettreife und verbleibendes Wachstum
  • Aktivitätsniveau und Sportart
  • Instabilität im Alltag oder beim Sport
  • Meniskusverletzungen, Knorpelschäden oder Begleitverletzungen
  • Beinachse und individuelle Anatomie

Ziel ist nicht nur ein stabiles Knie, sondern auch der Schutz von Meniskus, Knorpel und Wachstum.

Welche Untersuchungen sind wichtig?

Die Diagnose wird durch Anamnese, klinische Untersuchung und MRT gestellt. Im MRT wird nicht nur das vordere Kreuzband beurteilt, sondern auch Meniskus, Knorpel, Seitenbänder, Knochenmarködem und mögliche Begleitverletzungen.

Bei noch offenen Wachstumsfugen kann zusätzlich eine Einschätzung der Skelettreife sinnvoll sein. Je nach Situation können Röntgenbilder, Ganzbeinaufnahmen oder eine Beurteilung des Skelettalters zur Planung beitragen.

Für die Operationsentscheidung ist entscheidend, ob das Knie funktionell instabil ist und ob durch wiederholtes Wegknicken zusätzliche Schäden an Meniskus oder Knorpel drohen.

Muss ein Kreuzbandriss bei Kindern immer operiert werden?

Nein. Nicht jeder Kreuzbandriss bei Kindern oder Jugendlichen muss sofort operiert werden. Bei geringer Instabilität, niedrigem sportlichem Risiko oder sehr guter muskulärer Kontrolle kann eine konservative Behandlung mit Physiotherapie und Aktivitätsanpassung geprüft werden.

Eine Operation wird häufiger erwogen bei:

  • Wiederholtem Wegknicken des Knies
  • Sportlichem Anspruch mit Dreh- und Richtungswechselbelastungen
  • Jungen Patienten mit funktioneller Instabilität
  • Begleitenden Meniskusverletzungen
  • Blockierenden Beschwerden
  • Drohendem zusätzlichem Meniskus- oder Knorpelschaden

Die Entscheidung sollte individuell und gemeinsam mit Kind/Jugendlichem und Eltern getroffen werden.

Was bedeutet „physeal-sparing“?

„Physeal-sparing“ bedeutet wachstumsfugenschonend. Die Operation wird so geplant, dass die Wachstumsfugen möglichst nicht verletzt werden. Das ist besonders wichtig bei Kindern, die noch deutliches Wachstum vor sich haben.

Es gibt verschiedene wachstumsfugenschonende Techniken. Eine Möglichkeit ist die all-epiphyseal oder all-inside Technik. Dabei werden die Knochenkanäle oder Sockets nicht durch die Wachstumsfuge geführt, sondern innerhalb der Epiphyse angelegt.

Diese Technik ist nicht für jeden Patienten automatisch die richtige Wahl. Bei Jugendlichen kurz vor Wachstumsabschluss kann auch eine andere Technik sinnvoll sein. Entscheidend ist die individuelle Skelettreife.

Physeal-sparing all-inside Kreuzbandrekonstruktion

Bei einer physeal-sparing all-inside Technik wird das gerissene vordere Kreuzband durch ein körpereigenes Sehnentransplantat ersetzt. Die Knochenkanäle werden als kurze Sockets geplant, die innerhalb der Epiphyse liegen und die Wachstumsfuge möglichst respektieren.

  1. 1Arthroskopische Beurteilung des Kniegelenks.
  2. 2Kontrolle von Meniskus, Knorpel und Begleitverletzungen.
  3. 3Entnahme und Vorbereitung eines körpereigenen Sehnentransplantats.
  4. 4Planung der femoralen und tibialen epiphysealen Sockets.
  5. 5Kontrolle der Socket-Position, bei Bedarf mit intraoperativer Bildgebung.
  6. 6Einziehen des Transplantats in all-inside Technik.
  7. 7Fixation ohne bewusstes Überbrücken der Wachstumsfugen.
  8. 8Prüfung von Stabilität, Beweglichkeit und möglicher Begleitbehandlung des Meniskus.

Die genaue Technik hängt von Körpergröße, Knochenanatomie, Skelettreife, Begleitverletzungen und Transplantatwahl ab.

Welches Transplantat wird verwendet?

Bei Kindern und Jugendlichen wird häufig ein körpereigenes Sehnentransplantat verwendet. Je nach Alter, Körpergröße, Sportart, Transplantatdicke und Technik kommen Hamstring-Sehnen oder andere körpereigene Transplantate infrage.

Die Transplantatwahl ist bei offenen Wachstumsfugen besonders sorgfältig zu treffen. Wichtig sind:

  • Ausreichende Transplantatstärke
  • Möglichst geringe Entnahmemorbidität
  • Stabile Fixation
  • Respektierung der Wachstumsfugen
  • Sportliches Ziel und Re-Ruptur-Risiko

Eine pauschal „beste“ Sehne gibt es nicht. Die Wahl wird individuell festgelegt.

Warum kann eine all-inside Technik sinnvoll sein?

Eine all-inside Technik verwendet kurze Sockets statt durchgehender Bohrkanäle. Bei skeletisch unreifen Patienten kann dies helfen, die Wachstumsfugen zu respektieren und gleichzeitig eine anatomisch orientierte Rekonstruktion zu ermöglichen.

Schonung der Wachstumsfugen
Kurze knöcherne Sockets statt langer Tunnel
Anatomisch orientierte Transplantatposition
Stabile Fixation bei sorgfältiger Planung
Behandlung begleitender Meniskusverletzungen in gleicher Operation

Diese Vorteile gelten nur, wenn die Technik korrekt geplant und zur individuellen Anatomie passt.

Welche Risiken gibt es?

Auch bei wachstumsfugenschonender Technik bleibt eine pädiatrische Kreuzbandrekonstruktion anspruchsvoll. Mögliche Risiken sind:

  • Erneute Kreuzbandverletzung
  • Restinstabilität
  • Bewegungseinschränkung
  • Schmerzen oder Schwellung
  • Meniskus- oder Knorpelprobleme
  • Wachstumsstörung, Achsabweichung oder Beinlängendifferenz
  • Probleme an der Entnahmestelle des Transplantats
  • Erneute Operation bei Komplikationen oder Re-Ruptur

Das Risiko für Wachstumsstörungen soll durch physeal-sparing Techniken reduziert werden, kann aber nicht vollständig ausgeschlossen werden. Deshalb sind Planung, Technik und Nachkontrolle besonders wichtig.

Meniskus und Knorpel schützen

Wiederholtes Wegknicken nach Kreuzbandriss kann Meniskus und Knorpel zusätzlich belasten. Besonders bei jungen Patienten ist es wichtig, instabile Meniskusrisse früh zu erkennen. Wenn möglich und sinnvoll, wird der Meniskus erhalten und genäht.

Die Kreuzbandrekonstruktion dient daher nicht nur der Stabilität, sondern auch dem langfristigen Schutz des Kniegelenks.

Rehabilitation nach pädiatrischer Kreuzbandrekonstruktion

Die Rehabilitation erfolgt stufenweise und wird an Alter, Begleiteingriffe und sportliches Ziel angepasst. Zeitangaben sind nur Orientierung. Entscheidend sind Schwellung, Beweglichkeit, Kraft, neuromuskuläre Kontrolle und Belastbarkeit.

Phase 1 — Wundheilung und Beweglichkeit

Ziel sind Abschwellen, vollständige Streckung, kontrollierte Beugung und sicheres Gangbild.

Phase 2 — Muskelaktivierung und Koordination

Aufbau von Quadrizeps- und Hüftkontrolle, Gleichgewicht und kontrollierter Belastung.

Phase 3 — Kraft und Laufvorbereitung

Steigerung der Kraft, Bewegungsqualität und kontrollierter Belastungsformen.

Phase 4 — Sportartspezifische Rückkehr

Rückkehr zu Pivoting- oder Kontaktsportarten erst nach klinischer Kontrolle, Kraft- und Funktionstests sowie sportartspezifischer Belastbarkeit.

Bei Meniskusnaht oder anderen Begleiteingriffen wird das Rehabilitationsprotokoll angepasst.

Wann ist Sport wieder möglich?

Die Rückkehr zum Sport hängt nicht nur vom Kalender ab. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist eine kriteriumsorientierte Freigabe wichtig. Beurteilt werden unter anderem:

Keine relevante Schwellung
Freie oder nahezu freie Beweglichkeit
Gute Kraftsymmetrie
Stabile Landung und Beinachsenkontrolle
Neuromuskuläre Kontrolle
Sportartspezifische Belastbarkeit
Psychologische Bereitschaft
Keine Beschwerden bei Belastungssteigerung

Pivoting-Sportarten wie Fußball, Handball, Basketball oder Skifahren werden erst nach längerer, strukturierter Rehabilitation und ärztlicher Kontrolle freigegeben.

Unterschied zur Kreuzbandrekonstruktion beim Erwachsenen

Bei Erwachsenen werden femorale und tibiale Tunnel häufig durch den Knochen und ohne Rücksicht auf offene Wachstumsfugen angelegt, weil diese bereits geschlossen sind. Bei Kindern mit offenen Wachstumsfugen muss die Technik anders geplant werden.

Die Erwachsenen-Technik kann nicht einfach auf Kinder übertragen werden. Entscheidend ist, ob die Wachstumsfugen noch offen sind und wie viel Wachstum noch zu erwarten ist.

Kreuzbandrekonstruktion beim Erwachsenen

Häufig gestellte Fragen

Ist ein Kreuzbandriss bei Kindern gefährlicher als bei Erwachsenen?

Nicht unbedingt gefährlicher, aber anders. Offene Wachstumsfugen und verbleibendes Wachstum müssen berücksichtigt werden. Außerdem kann wiederholte Instabilität Meniskus und Knorpel belasten.

Was bedeutet all-epiphyseal?

All-epiphyseal bedeutet, dass die Knochenkanäle innerhalb der Epiphyse liegen und die Wachstumsfuge möglichst nicht durchqueren. Es ist ein Prinzip zur Schonung der Wachstumsfugen.

Was bedeutet all-inside?

All-inside bedeutet, dass kurze Sockets statt langer durchgehender Knochenkanäle verwendet werden. Das kann bei geeigneter Planung helfen, Gewebe und Knochen zu schonen.

Ist eine physeal-sparing Technik immer notwendig?

Nein. Sie ist vor allem bei Patienten mit noch relevantem Wachstum wichtig. Bei Jugendlichen kurz vor Wachstumsabschluss kann eine andere Technik sinnvoll sein. Die Wahl hängt von Skelettreife und individueller Anatomie ab.

Kann es trotz wachstumsfugenschonender Technik zu Wachstumsproblemen kommen?

Ja, auch wenn das Risiko reduziert werden soll. Wachstumsstörungen, Achsabweichungen oder Beinlängendifferenzen sind seltene, aber wichtige Risiken und müssen vor der Operation besprochen werden.

Wird der Meniskus mitbehandelt?

Ja, Meniskus und Knorpel werden arthroskopisch beurteilt. Instabile Meniskusverletzungen werden, wenn möglich und sinnvoll, erhalten und genäht.

Wann darf mein Kind wieder Fußball spielen?

Das hängt von Heilungsverlauf, Kraft, Kontrolle, Schwellung, Meniskusbehandlung und sportartspezifischen Tests ab. Eine Rückkehr zu Pivoting-Sportarten erfolgt erst nach längerer Rehabilitation und individueller Freigabe.

RV

Medizinisch erstellt und geprüft von Robin Van den Broecke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Zuletzt aktualisiert: 8. Juni 2026

Kurz zusammengefasst

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Adresse:Eifelklinik St. Brigida GmbH & Co. KG, Zentrum für Orthopädische Chirurgie, Kammerbruchstraße 8, 52152 Simmerath

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Welche Unterlagen sollten Sie mitbringen?

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